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Sabrina hat nach einem Buch ihr ganzes Leben umgekrempelt in nahezu jedem Lebensbereich. Dass es nicht immer nur die „schönen“ Bücher sind die Anstiften, beweist diese fantastische Geschichte.

Sabrina und ich stapfen in unchicen aber nützlichen Neoprenstiefelchen über den Meeresgrund. Unsere Wattwanderung führt uns an an kleinen Prielen vorbei mit wenig Wasser, in denen winzige Garnelen und protzige Einsiedlerkrebse auf die Flut warten. Die klare Nordseeluft pustet den Kopf durch. Es ist ein wirklich idyllischer, schöner Nachmittag. Keiner an dem ich übers sterben nachdenken wollen würde. Eigentlich.

Sabrina, was treibt einen dazu an ein Buch übers sterben zu kaufen? Ist man da schon unglücklich oder wird man es erst? (lacht)

„Ich bin in die Situation geraten, dass ich eine nahestehende Person beim sterben begleiten musste. Ich war dann komplett überfordert und hab erstmal gegoogelt was ich finde. (lacht) Das Buch fand aber erst danach zu mir, als die Person bereits verstorben war.“

Am Ende hast du das Buch ja trotzdem noch gelesen.

Ja, daraus ist wirklich ein neues Leben entstanden! Ich hab‘ ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass es solche wahnsinnigen Veränderungen auslöst. Jetzt halte ich mir wirklich vor Augen, was ja nicht immer so leicht ist (lacht): Du wirst nicht irgendwann auf dem Sterbebett liegen und etwas bereuen! Das ist mein Mantra geworden. Ich schreibe mir die wichtigen Punkte aus dem Buch auch immer mal wieder auf, denn man vergisst das natürlich. Und ich habe Freunde, die das Buch kennen und mich erinnern: „Hey, weißt du noch…? Du sagst doch immer…?“

Was war die erste Sache die du ganz konkret gemacht hast, nachdem du das Buch durch hattest?

Es sind vier Jahre vergangen seitdem ich das Buch gelesen habe, und es ist so viel passiert! (schüttelt den Kopf) Ich glaube aber das erste war, dass ich die Ausbildung zur Trauerberaterin begonnen habe. Im Mittelpunkt steht natürlich immer das Leben und nicht der Tod. Aber Tod und Trauer sind jetzt Themen die Wegweiser für mich sind, in allem was ich tue.

5 Dinge die Sterbende am meisten bereuen Buchcover

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Arkana
Sprache: Deutsch

Um dieses Buch gehts:

5 DINGE, DIE STERBENDE AM MEISTEN BEREUEN
von Bronnie Ware

Was zählt am Ende wirklich? Auf dem Sterbebett, wenn klar wird, dass das Leben sich dem Ende zuneigt? Nach vielen Reisen durch die ganze Welt, auf der Suche nach dem, was dem Leben Sinn gibt, findet die Australierin Bronnie Ware eine neue Aufgabe. Sie begleitet Sterbende in den letzten Wochen ihres Lebens. In ihrem Buch erzählt sie von wunderbaren Begegnungen und berührenden Gesprächen, die ihr Leben tiefgreifend verändert haben. Die Menschen, die sie trifft, stellen viel zu oft fest, dass sie ihre eigenen Wünsche hinten angestellt und zu viel gearbeitet haben, dass sie sich zu wenig Zeit für Familie und Freunde genommen und – vor allem – sich nicht erlaubt haben, glücklich zu sein. Es sind Erkenntnisse, die nachdenklich machen und in Erinnerung rufen, worauf es wirklich ankommt, wenn wir mit einem Lächeln aus dem Leben treten wollen. Für sich selbst hat Bronnie Ware nach diesen Erfahrungen entschieden, dass sie nur noch das macht, was sie wirklich will. Ihr ermutigendes Buch hat die Kraft, Veränderungen anzustoßen, um wirklich das Leben zu führen, das wir wollen.

Was geschah nach der Initalizündung zur Trauerbegleiterin?

„Ich habe gekündigt, meinen Job aufgegeben, die Branche verlassen in der ich 15 Jahre lang war. Inzwischen habe ich mich auch von meinem Mann getrennt und mich von ganz vielen Dingen gelöst: Vom regulären Arbeitsleben, von Möbelstücken, Erinnerungsstücken, von 15kg Körpergewicht. Ich hab einfach losgelassen.“

Ich glaube ja, wenn man für etwas bestimmt ist, findet man da früher oder später irgendwie so oder so hin. Trauerbegleiterin wärst du nach dieser Theorie eines Tages auch ohne das Buch geworden. Gibt es etwas von dem du glaubst, dass du es ohne das Buch nie gefunden hättest?

„Ja, ganz tiefe Freundschaft hätte ich nicht kennengelernt! (nickt) Das wäre nicht passiert. Beziehungen brauchen echt viel Mut: Viel Liebe geben ist ja das eine, aber die Liebe annehmen die dann zurückkommt, das ist das andere. Ich hab da unbewusst wohl immer die Mauern hochgezogen, so dass Beziehung oberflächlich geblieben sind. Das ist übrigens auch eines der 5 Dinge die Sterbende bereuen: Dass sie Freundschaften nicht so gepflegt haben.

Nehmen wir mal das offensichtliche außen vor: Ich oder jemanden den ich begleite muss in absehbarer Zeit sterben… Gibt es sonst noch einen Moment, in dem ich das Buch zur Hand nehmen sollte?

„Wann immer du etwas verlierst oder loslassen musst. Viele Frauen planen zum Beispiel jahrelang ihre Hochzeit, dann ist der große Tag da – und der Tag danach? Da geht es dann bergab (lacht). Das ist ja auch ein Verlust. Oder auch wenn etwas neues kommt, aber man noch keine Ahnung hat was das sein soll. Ich glaube die Welt befindet sich gerade kollektiv in so einer Phase wegen der Pandemie. „

Cool – also lese ich das jetzt und habe dann ein neues Leben?

(lacht) Nicht ganz so. Es löst schon schwere Prozesse aus… aber ich finde es total wertvoll. Es ist auch nicht nur schwere Kost, es schenkt auch Mut und macht optimistisch. Aber es ist natürlich auch ein trauriges Buch. Gerade jetzt spüren wir ja, dass wir eigentlich keine Sicherheiten haben. Wir hatten eher die Illusion von Sicherheit und die verlieren wir gerade. Wer sich mit dieser Illusion mal näher auseinandersetzen möchte, dem sei dieses Buch wirklich sehr ans Herz gelegt.

Autorin Bonnie Ware lädt zum Tee ein – was würdest du sagen?

„Ich würde sie fragen wie sie die Momente des zweifelns und des alleineseins gemeistert hat. Wenn man seinen eigenen Weg geht, ist man halt irgendwann schon mal allein unterwegs, auf sich selbst gestellt. Wie kommt man durch diese Phasen ohne mit sich selbst zu hadern?“

In Küstennähe entdecken wir ein kleines, muckeliges Cafe, das schon von außen laut schreit: „Es gibt hier fantastischen Kuchen!“ und da können Sabrina und ich natürlich nicht nein sagen. Neben aller Ernsthaftigkeit, Tod, Trauer, Verlust geht es natürlich vor allem darum, das Leben zu genießen. Und wie ginge das besser als bei einem Stück Kuchen?

Sabrina Steiner Trauerbegleiterin im Interview

Sabrina Steiner ist Trauerbegleiterin und PR-Expertin für Dienstleister im Bereich Trauer, Tod und Sterben. Nur „lustige“ Menschen können diesen Job machen, glaube ich, und auch Sabrina ist hier mal wieder ein Paradebeispiel: Sie sprüht vor Lebensfreude und Humor, man ist einfach gern mit ihr zusammen und trotzdem hat sie keine Angst vor den schwierigen Fragen. Darüber hinaus ist Sabrina Strickjacken-verliebt, spontan, Kumpir-begeistert und offiziell Katzenliebhaberin.

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* Die Interviews finden corona-konform digital statt. Meine Interviewpartner dürfen sich deshalb vorab ausdenken, wo sie das Interview gern führen würden, wenn a l l e s möglich wäre. Aus dieser Fantasiereise spinne ich dann das Setting für das Interview zusammen.