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Birgit hat mit dieser Buch-Reihe nicht nur ihre Kindheit verbracht, sondern auch die Liebe für das amerikanische Land entdeckt. Dann ist sie ausgewandert (und später auch wieder zurück). Eine Geschichte über Reiselust, Kulturinteresse und die Magie eines guten Buches (oder mehrerer.)

Es ist 7 Uhr morgens, definitiv nicht meine Uhrzeit und es liegt der erste Schnee, definitiv nicht meine Jahreszeit. Meine routinierte Fahrerin und Gastgeberin Birgit hinterlässt mit unserem Wagen jungfräuliche Spuren im Schnee. Sie ist bester Laune – so kennt man sie – und hat den Blick fest auf den Horizont gerichtet, an dem die ersten Sonnenstrahlen auftauchen. Hier, zwischen Sunset Crater und den San Francisco Mountains fühlt sich die Natur gewaltig und überwältigend schön an. Nicht schwer von hier aus an einen Karl May Film zu denken. Oder ein Buch.

Birgit, durch die USA zu fahren ist für dich ja kein Neuland. Als junge Frau bist du mal eben selbst quer durchs Land gefahren, von der Ost- an die Westküste. Wie kommt man denn darauf?

„Tja, das wird dich überraschen, aber es war ein Buch. (lacht) Als junges Mädchen habe ich von meinem Vater die Karl May Bücher geschenkt bekommen und die haben mich durch meine Kindheit begleitet. Ich wollte dann unbedingt sehen was ich in all den Jahren so geliebt habe: Die rollende Prärie, die Orte an denen die Siedler langezogen sind. Ich wollte sehen wo die Indianer tatsächlich gelebt haben.“

Hat das geklappt, hast du einen Amerika-Tripp gemacht?

Nein, mehr als das. Ich bin 1989 ausgewandert und habe bei meiner Reise durch die USA auch an einigen Indianerreservaten halt gemacht. Einige Jahrzehnte lang habe ich auch ein Indianeerreservat finanziell unterstützt. Heute ist das Projekt quasi wegen des Erfolgs eingestellt, das Geld wird nicht mehr benötigt. Aber schon vor der Reise, sogar als junges Mädchen, hat das Buch Einfluss auf mich genommen.“

Was konnte Karl May dir noch beibringen?

Ich war zu der Zeit im Konfirmantenunterricht und hatte einen Pastor der der Meinung war, wir stammen buchstäblich von Adam und Eva ab. Statt brav die Bibel zu lesen kam ich dann mit dem Koran um die Ecke: „Hallo, es gibt auch noch anderes!“ Von den Indianern hatte ich leider gerade nichts parat. (lacht) Aber diese Offenheit für andere Lebens- und Glaubensrichtungen und den Respekt vor anderen Kulturen, den habe ich definitiv aus den Büchern mitgenommen. Das hat meine ganze Jugend geprägt und ich glaube auch bis heute Einfluss.“

Gebundene Ausgabe: 640 Seiten / Buch
Verlag: Anaconda Verlag
Sprache: Deutsch

Um dieses Buch gehts (neben anderen):

WINNETOU I-III
von Karl May

Millionen junge Leser hat Karl May in die Welt der Rothäute und Bleichgesichter entführt. Gebannt folgen sie seit Generationen den spannenden Geschichten von Old Shatterhand und dem edlen Apachen Winnetou. Zwischen Silberbüchse und Henrystutzen, Marterpfahl und Friedenspfeife entfaltet Karl May drei Winnetou-Bände hindurch ein gewaltiges Wildwest-Panorama. Es steckt voller Abenteuer, übler Schurken und liebenswerter Gefährten von Sam Hawkens bis Nscho-tschi.

Karl Mays Geschichten waren ja nicht die einzigen die du dir in Amerika „verwirklicht“ hast, oder?

„Genau, das Buch Sacajawea von Anna Lee Waldo war noch so eins. In der Geschichte geht es um eine Indianerin die 1805/06 die Expedition von Lewis und Clark begleitet hat, vom heutigen South Dakota bis zur Pazifikküste. Sie war als Frau mit Baby Scout der Expedition und unterstützte unter anderem als Übersetzerin.Auf dem Weg von Virgina nach Kalifornien hab mir all das angesehen wovon ich als Jugendliche in meinen Büchern geträumt habe. Von Kalifornien aus habe ich auch eine Tour nach Orgeon gemacht und in Fort Clatsop Originalrelikte der Expedition gesehen – unter anderem Sacajaweas Kleid. Das war schon toll.“

Gibt es etwas, dass du ohne die Bücher nicht getan hättest? Also außer der USA-Auswanderung und den Reisen.

„Als Kinder habe ich mit meinen Freundinnen viele Indianer-Geschichten nachgespielt und natürlich haben wir uns indianische Namen gegeben. Die sind zum Teil immer noch als Spitznamen übriggeblieben und meine Freundin nenne ich und meine Familie heute noch so. Ich hab außerdem viele indianische Vokabeln gelernt, die in den Karl May Büchern immer aufgeführt waren, nicht, dass mir das jemals was genutzt hätte… (lacht) „

Karl May hat ja so ab der 1890er Jahre seine Bücher veröffentlicht. Lohnt es sich echt noch so alte Schinken rauszukramen?

„Karl Mays Bücher, nicht nur über die Abenteuer im Wilden Westen, er hat ja quasi Geschichten rund um den Globus geschrieben, sind immer etwas für Leute die neugierig sind! Und man darf natürlich keine Angst davor haben etwas „altsprachliches“ zu lesen, wir haben ja doch schon 2020. (lacht) Und so ein bisschen schwulstig sind sie schon… Inhaltlich sind die Geschichten immer noch total aktuell und greifen Konflikte auf, die wir zum Teil noch heute haben. Macht auf jeden Fall Sinn, die auch jetzt noch mal anzufassen!“

Der kleinkriminelle Karl May ist ja schon eine ganze Weile nicht mehr unter uns. Wenn es jetzt aber doch noch mal die Möglichkeit auf ein Pläuschchen mit ihm gäbe, vielleicht so sitzend auf einem Pferderücken, reitend durch die Prärie, gäbe es etwas das du ihn fragen wollen würdest?

„Heute weiß man ja das Karl May nie drüben war, er war ein Schaumschläger vor dem Herren. (lacht) Aber er war eben auch ein gnadenlos guter Erzähler. Ich glaube ich würde ihn fragen wie zur Hölle er es geschafft hat zu der Zeit diese Recherchen anzustellen und das alles so lebensnah zu Papier zu bringen. Als Kind dachte ich natürlich: „Ja klar war der da! Ja klar sprach der 25 – 50 Sprachen! (lacht)“ Wie er das in der Zeit mit der Recherche gemacht hat würde mich echt interessieren. Google war ja nicht. Er hat sich ja auch nicht nur auf die USA beschränkt. Da könnte man noch sagen: „Ok, da hat sich jemand echt tief in die Thematik eingegraben.“ Vielleicht kannte er Menschen die dort waren und hatte eine enge Korrespondenz mit ihnen. Aber er hat das ja auch über Marokko, den Balkan, Süd-Amerika und viele andere Länder und Teile der Welt gemacht. Das ist schon faszinierend. „

Wir parken den Wagen am Little Colorado, setzen uns an die Kante des Grand Canyons. Abgesehen von ein paar Bergvögeln sind wir alleine hier, auch der Vollmond hat sich verzogen. Die Sonne geht glitzernd über der Horizontlinie auf, fällt zu unseren Füßen in den Canyon. Als „ultimativ schön“ beschreibt Birgit das und ich kann ihr nur Recht geben. Mein Fernweh tanzt im Schnee und freut sich seines Daseins.

Birgit Gosejacob ist eine schillernde und inspirierende Powerfrau – so habe ich sie jedenfalls kennengelernt. Mittlerweile aus den USA zurück, unterstützt sie in Deutschland Organisationen bei der Zukunftsgestaltung als Moderatorin und Facilitator in Online- und Offline Formaten. Mut, Abenteuerlust und die Freude am „einfach machen“ sind geblieben. Sie hat in Ihrem Leben viel Erfahrungen gesammelt: In San Francisco als Vertriebsassistentin in einem 5-Sterne Hotel, später in Deutschland als Vertriebsleiterin in einer Luft- und Seefrachtspedition, als Fachbereichsleiterin in einem Weiterbildungsinstitut und Programmdirektorin einer gemeinnützigen Organisation. Wohlwissend habe ich ihr blind eine Anfrage zum Interview geschickt und wusste, sie würde etwas zu erzählen haben. Und tadaaa, so war es! 😉

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* Die Interviews finden corona-konform digital statt. Meine Interviewpartner dürfen sich deshalb vorab ausdenken, wo sie das Interview gern führen würden, wenn a l l e s möglich wäre. Aus dieser Fantasiereise spinne ich dann das Setting für das Interview zusammen.